Mit dem Floß auf der Isar nach München

Ab Wolfsratshausen dauert die Fahrt fünf bis sieben Stunden

Isarfloß - Franz Riesberg
Isarfloß - Franz Riesberg
Eine Floßfahrt von Wolfratshausen nach München ist eine Art Oktoberfest auf der Isar: Es gibt jede Menge Bier an Bord, dazu Weißwürste und sogar eine Band.

Viele Touristen kommen nach München, weil es sich in Bayerns Hauptstadt so prächtig feiern lässt. Wer das Hofbräuhaus schon in- und auswendig kennt und fürs nächste Oktoberfest mal wieder keinen Tisch abbekommen hat, für den gibt es zumindest im Sommer eine interessante Alternative: eine Floßfahrt auf der Isar mit reichlich Gaudi und Bier.

Mit dem Floß auf der Isar nach München - sogar eine Band ist an Bord

An mehreren Wochenenden von Anfang Mai bis September bieten verschiedene Veranstalter Party-Fahrten auf XXL-Flößen an. Diese sind 20 Meter lang, beinahe sieben Meter breit und fassen nicht weniger als 60 Personen. Und sogar eine kleine Band ist an Bord, die mit allen möglichen und unmöglichen Party-Hits Stimmung macht. Los geht es in Wolfratshausen auf dem Isar-Nebenfluss Loisach, dann über die Isar selbst nach München hinein.

Je nach Wasserstand dauert die feuchtfröhliche Sause fünf bis sieben Stunden. Der Preis ist allerdings happig: um die 130 Euro pro Nase. Inbegriffen sind neben einer geballten Ladung frischer Luft und viel Natur immerhin jede Menge Speis und vor allem Trank. Schon beim Ablegen um neun Uhr morgens bekommt jeder Passagier einen Bierkrug in die Hand, den er aus einem Fass am Heck beliebig oft füllen darf. Außerdem wird auf Papptellern Weißwurst kredenzt, später ein deftiges Mittagsmahl.

Weißwurst und Bier inklusive, für die Notdurft gibt es eine Plane

Weil sonst wenig zu tun ist, wird vom Start weg gebechert. Schon bald singen und schunkeln die ersten mit. Vom „Anton aus Tirol“ bis „Fürstenfeld“ – die Combo hinten auf dem Floß hat alle wichtigen Partykracher auf Lager. Zum Glück verläuft die Fahrt größtenteils gemütlich, der Fluss ist über weite Strecken künstlich begradigt. Nur ab und zu müssen die beiden Flößer mit ihren stattlichen Rudern ein paar Strudel bezwingen und die Passagiere brav auf ihrem Sitzplatz verharren.

Ansonsten können sie sich aber nach Belieben auf den zusammengebundenen Stämmen bewegen, zwischen denen fröhlich grünes Flusswasser schwappt. Gefährlich wird es höchstens auf dem schmalen Weg am Floßrand zur Toilette: Diese besteht aus einer simplen zum Quadrat gespannten Plane, für deren Nutzung es von den Mitfahrern schon mal Szenenapplaus gibt. Die Notdurft plätschert direkt in die Isar.

Auf Flossrutschen geht es bis zu 350 Meter steil in die Tiefe

Je mehr sich das Partyfloß München nähert, desto überschwänglicher wird die Laune. Bei Schussfahrten über ein paar Floßrutschen, auf denen es über bis zu 350 Meter in steiler Schräglage in einen tiefer gelegenen Teil des Flusses hinabgeht, kreischt die Menge wie auf der Achterbahn. Eine Stunde vor Ankunft Zwischenstopp in einem Biergarten, wo man zur Abwechslung mal an einem Tisch trinken kann. Und wenn das Floß wieder ablegt, haben die beiden Mitarbeiter wenn nötig ein neues Fass aufgestellt.

In Sichtweite schippern weitere solche Truppen umher, manche kommen sogar den ganzen Weg aus Österreich. Sprechchöre fliegen zwischen den Flößen hin und her. Das gemeinsame Ziel ist die Anlegestelle im Münchner Stadtteil Thalkirchen. Hier torkeln scharenweise nicht mehr ganz nüchterne Menschen ans Ufer, manch einer legt sich erst einmal ins Gras. Ist das Fass an Bord noch nicht leer, kommt es an Land – wer nicht genug hat, kann sich trockenen Fußes den Rest geben.

Das Floß wird in Einzelteile zerlegt und per Laster zurückgebracht

Die Flößer dagegen dürfen sich noch kein Feierabend-Bier gönnen. Zuerst müssen sie ihren schwimmenden Untersatz wieder auseinander nehmen und Stamm für Stamm, Balken für Balken auf einen Tieflader schichten. Dieser befördert die Einzelteile auf dem Landweg nach Wolfsratshausen zurück, wo sie vor der nächsten Fahrt wieder sorgfältig zusammengebaut werden.

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